China

Baustopp, Materialüberfluss und Reaktionen

Di, 30/07/2013 - 15:59

„Man müsse gegen die Korruption ankämpfen und öffentliche Ausgaben auf die Entwicklung der Wirtschaft und das Wohlergehen der Bevölkerung beschränken“. Durch diese Aussage des chinesischen Präsidenten Xi Jinping bedingt, verkündeten das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und der regierende Staatsrat letzte Woche einen Baustopp für neue Amtsgebäude sowie jegliche neue öffentliche Prachtbauten über die nächsten fünf Jahre. Der Baustopp wurde als Reaktion auf die Veröffentlichungen von Nachrichten über Korruption sowie der Nutzung von Katastrophenschutzgeldern für den Bau kostspieliger öffentlicher Gebäude verhängt und soll weitere Proteste und Unruhen verhindern. Auch teure und unnötige Renovierungen wurden verboten. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften führt zu hohen Strafen.
Neben einer sinnvolleren Verteilung der Gelder führt der verhängte Baustopp jedoch auch dazu, dass der in China schon vorhandene Überfluss an produzierten Baustoff weiterhin zunimmt. So lagerten schon bis Juni 2012 allein in den 26 Haupthandelsplätzen Chinas mehr als 15,6 Mio. Tonnen Stahl. Im Vergleich dazu wurden im Zeitraum Januar bis Juni 2012 10,6 Mio. Tonnen Stahl in China und Taiwan produziert. Das steigende Angebot könnte die Nachfrage zusätzlich schwächen und die Preise weiter sinken lassen. Um der Überkapazität entgegen zu wirken, beschloss die Regierung Umstrukturierungen und Unternehmensfusionen durchzuführen. Sie ist bereit, eine durch die Veränderungen kurzzeitige Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums zu Gunsten einer langzeitigen Verbesserung der Wirtschaft in Kauf zu nehmen. Darüber hinaus plant China überschüssige Baumaterialien wie z.B. Zement oder Stahl für den Ausbau des inländischen Schienennetzes einzusetzen und hat diesbezüglich der Eisenbahnbehörde entsprechende Pläne vorgelegt. Der bisherige Ausbau des Schienennetzes ging langsamer voran als geplant, da erst ein Drittel der geplanten Investitionen im ersten Halbjahr umgesetzt wurden.
Die Berichte sorgten für einen Auftrieb auf dem chinesischen Aktienmarkt. Insbesondere die Hang-Seng-Werte der Eisenbahnunternehmen wie z.B. China Railway (+7%), und der China Railway Construction (+8%) sind gestiegen. Es war für Hongkong das stärkste Plus seit fast sieben Monaten.

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Chinas Wachstumsgarantie

Do, 25/07/2013 - 15:21

„Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung Chinas soll durch ein Wirtschaftswachstum von mindestens sieben Prozent gesichert werden“. Das politische Ziel hinter dieser Äußerung von Chinas Ministerpräsidenten Li Keqiang ist das Erreichen einer wohlhabenderen Gesellschaft bis 2020. Mit seiner Erklärung bezieht sich Keqiang auf die Begrüßungsrede des ehemaligen Parteivorsitzenden der Kommunistischen Partei, Hu Jintao, auf dem Parteitag im November 2012. In seiner Rede erwähnte er die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt, die zum Aufstieg der VRC zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt führte. Des Weiteren erklärte er, dass dem Land weiterhin beispiellose Gelegenheiten zur Entwicklung der Wirtschaft offen stehen würden, wenn diese sich in die richtige Richtung entwickeln wird. So müsse die Wirtschaftsleistung „ausgeglichener, koordinierter und nachhaltiger“ werden, wofür vor allem die heimische Nachfrage weiter angeregt werden muss. Eine Verdopplung des Einkommens und der Wirtschaftsleistung von 2010 bis 2020 werde dieses ermöglichen, versprach er den chinesischen Bürgern.
Keqiang nahm diese konkrete Äußerung von 2012 auf und versicherte, dass die Regierung auch in Zukunft ein Wachstum von mindestens 7% garantieren wird. Als angestrebtes Ziel für das Jahr 2013 formulierte er sogar ein Wachstum von 7,5% und eine obere Inflationsgrenze von 3,5%. Als Reaktion auf diese Mitteilung verzeichneten die chinesischen Aktienmärkte teils hohe Kursgewinne, wie zum Beispiel an den Börsen in Shenzhen (+3,64%) und Shanghai(+1,95%).

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Irreführende Medienberichterstattung

Di, 25/06/2013 - 16:29

„China möchte mitreden am großen Tisch, hält das Geld zusammen und die Welt in Atem.“

Diese Aussage einer Börsenkommentatorin des öffentlich-rechtlichen Morgenmagazins sollte lediglich erklären, warum die DAX-Performance auch in den kommenden Tagen negativ ausfallen könnte. Neben dem zu erwartenden Kurswechsel der US-Notenbank, nannte sie als Grund auch die Abwärtsbewegung der asiatischen Kurse aufgrund einer möglichen Kreditklemme im chinesischen Bankensektor. Bis zu diesem Punkt eine absolut stimmige Erklärung. Diese jedoch mit anfangs zitierter Aussage zu beenden, halte ich für eine unprofessionelle Berichterstattung und im Gesamtkontext größtenteils für schlichtweg falsch. Es suggeriert, dass die Volksrepublik die Hauptverantwortliche für die schlechte Situation sei, obwohl sie ähnliche Maßnahmen anwendet, welche auch die US-Notenbank anstrebt.
Auch wenn sie als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt jedes Recht dazu hat, geht es China in diesem Fall noch nicht einmal darum am „großen Tisch“ mitzureden, sondern einfach nur die eigenen Risiken zu minimieren.
Im Prinzip führt die Regierung genau das durch, was alle in den letzten Monaten erhofft haben. Sie ergreift Maßnahmen, um der eigene Finanzblase entgegenzuwirken. Einem Wachstum der Kreditvergabe um mindestens 20% jährlich stand in den letzten Jahren lediglich eine halb so große nominale Steigerung der Wirtschaftsleistung gegenüber. Die expansive Geldpolitik der chinesischen Zentralbank als Reaktion auf die Finanzkrise (seit 2009) führte zu einer Systemliquidität auf einem unvernünftigen Niveau. Dadurch wurde das vorher schon vorhandene Ungleichgewicht zwischen Kreditvergabe und Wirtschaftsleistung noch weiter verstärkt.
Um die Banken nun zu effektiverer Steuerung ihrer Liquiditätsrisiken zu veranlassen, sorgt die Zentralbank mit der neuen Strategie des „Geld Zusammenhaltens“ für eine deutliche Verknappung der Liquidität. Zusätzlich ließ die Regierung seit Anfang des Jahres eine Aufwertung des Renminbi um 5% gegenüber den  anderen gehandelten Devisen zu.
Mit diesen Maßnahmen können sowohl die äußerst spekulativen Immobiliengeschäfte als auch weitere Bereiche des grauen Kapitalmarktes/Schattenbankensystems minimiert werden. 
Natürlich muss dafür im Gegenzug für einen gewissen Zeitraum mit einem Abschwung der Kreditvergabe seitens der chinesischen Banken und in Folge dessen mit einer weiteren konjunkturellen Abkühlung gerechnet werden. Kurzfristig wird sich dieses auch weiterhin negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken. Mittelfristig wird jedoch eine abschwellende chinesische Finanzblase für eine größere Sicherheit sorgen und weitere positive Synergieeffekte nach sich ziehen.  Ich komme daher zu dem Fazit, dass der Finanzmarkt eher gestärkt, als geschwächt aus diesen Maßnahmen hervorgehen wird.

Jens Behling


 

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