Blog-Eintrag: Aktuelle Reformen und Regulierungen in China

China handelt gezielt gegen ausländische Unternehmen!

Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man die Pressemeldungen der letzten Wochen ohne tiefere Kenntnis betrachtet. Doch welchen Hintergrund haben die gegen ausländische Unternehmen wie VW, Audi oder Microsoft ausgesprochenen Strafen tatsächlich?   
Aus unserer Sicht handelt es sich bei den derzeitigen Strafmaßnahmen primär nicht um eine politische Attacke gegen ausländische Handelspartner, sondern um eine Anwendung bestehender Gesetze. Die vermehrten Überprüfungen von Unternehmen durch die chinesischen Behörden in den letzten Wochen und Monaten haben überwiegend innenpolitische Gründe, wie beispielsweise die aggressive Korruptions- und Kartellbekämpfung innerhalb der Volksrepublik. Zudem steigert die Bevölkerung durch regelmäßige Herstellerkritiken in den Sozialen Netzwerken die Aufmerksamkeit der chinesischen Wächter, was den Konsumentendruck zukünftig noch stärker werden lässt. Die Anzahl chinesischer Reisender, welche im Ausland Preise der westlichen Marken mit denen in der Heimat vergleichen können, wächst jährlich um mehr als 10 Millionen. Leider bleibt in der westlichen Presse häufig unerwähnt, dass nicht nur Untersuchungen gegen ausländische Firmen und deren chinesische Partnerunternehmen geführt werden. Auch zahlreiche nationale Unternehmen wurden in diesem Jahr zu hohen Geldstrafen aufgrund von Gesetzesverstößen verurteilt. Schlagzeilen wie „China zieht gegen die Autobranche zu Felde“ oder „Nun trifft es auch Audi: China straft deutsche Autobauer ab…“ implizieren dem Leser zwar etwas anderes, jedoch setzen die chinesischen Behörden gegenwärtig nur eine bereits seit 2008 bestehende Gesetzgebung akribisch durch. Abschließend sollte erwähnt werden, dass viele der in China involvierten ausländischen Unternehmen gegenwärtig auch in Indien hohe Strafen wegen Preisabsprachen zahlen müssen.

Grundsätzlich gibt es für westliche Unternehmen deutlich mehr positive Entwicklungen aus der Volksrepublik zu berichten. Eine voranschreitende Öffnung wird deutschen Firmen in Zukunft den Zugang zum weltgrößten Binnenmarkt vereinfachen. So ist unter anderem beabsichtigt, den enormen bürokratischen Aufwand für ausländische Unternehmen bei der Gründung einer Tochtergesellschaft in China massiv zu verringern. Von diesen Neuerungen kann zukünftig besonders der Mittelstand profitieren.

Des Weiteren wird die Internationalisierung des Renminbi stetig vorangetrieben. Nachdem die Bank of China im Juni 2014 eine eigene Clearing-Bank in Frankfurt eröffnet hat, können internationale Handelsgeschäfte nun auch über die chinesische Währung abgewickelt werden. Dies wird den bilateralen Handel zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen deutlich erleichtern. Laut des Strategieexperten der Deutschen Bank Liu Linan ist damit zu rechnen, dass in drei Jahren bereits fünf bis sechs Prozent der internationalen Handelsgeschäfte über die chinesische Währung abgewickelt werden. Wenn wie geplant weitere Standorte in den europäischen Finanzmetropolen folgen, ist eine Entwicklung Europas zum größten Überseemarkt nach Hongkong für den Renminbi zu erwarten.     

Darüber hinaus wird die Privatisierung chinesischer Unternehmen weiter forciert. Konkret handelt es sich um ein Pilotprojekt mit zwei Staatsfonds, die gegenwärtig primär auf die Verwaltung ihrer Investitionen ausgerichtet sind. Durch die Privatisierung verschiedener Anteile sollen sich die Fonds in Zukunft vermehrt auf die eigene Wertschöpfung konzentrieren können. Auch die Unternehmen im Staatsbesitz CNBMG (China National Building Materials Group Corporation) und CNPG (China National Pharmaceutical Group) werden nun mit Hilfe ausländischer Investoren privatisiert, um zukünftig ein professionelleres Management zu installieren. Unterstützend werden schon jetzt neue Anreizsysteme getestet, welche zur Neugewinnung externer Führungskräfte dienen sollen.       

Zusammenfassend betrachtet befindet sich die chinesische Wirtschaft in einer Phase stärker werdender struktureller Veränderungen. Diese beinhalten für westliche Unternehmen viele positive, aber auch einige negative Entwicklungen, wie geringere Margen oder vermehrte Durchsetzung des gesetzlichen Reglements. Um weiterhin ihren globalen Spitzenplatz verteidigen zu können, sollten sich gerade die deutschen Mittelständler vermehrt nach den sich bietenden Chancen ausrichten und Risiken nach individueller Analyse nicht unbeachtet lassen.

 

Jens Behling