Irreführende Medienberichterstattung

Di, 25/06/2013 - 16:29

„China möchte mitreden am großen Tisch, hält das Geld zusammen und die Welt in Atem.“

Diese Aussage einer Börsenkommentatorin des öffentlich-rechtlichen Morgenmagazins sollte lediglich erklären, warum die DAX-Performance auch in den kommenden Tagen negativ ausfallen könnte. Neben dem zu erwartenden Kurswechsel der US-Notenbank, nannte sie als Grund auch die Abwärtsbewegung der asiatischen Kurse aufgrund einer möglichen Kreditklemme im chinesischen Bankensektor. Bis zu diesem Punkt eine absolut stimmige Erklärung. Diese jedoch mit anfangs zitierter Aussage zu beenden, halte ich für eine unprofessionelle Berichterstattung und im Gesamtkontext größtenteils für schlichtweg falsch. Es suggeriert, dass die Volksrepublik die Hauptverantwortliche für die schlechte Situation sei, obwohl sie ähnliche Maßnahmen anwendet, welche auch die US-Notenbank anstrebt.
Auch wenn sie als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt jedes Recht dazu hat, geht es China in diesem Fall noch nicht einmal darum am „großen Tisch“ mitzureden, sondern einfach nur die eigenen Risiken zu minimieren.
Im Prinzip führt die Regierung genau das durch, was alle in den letzten Monaten erhofft haben. Sie ergreift Maßnahmen, um der eigene Finanzblase entgegenzuwirken. Einem Wachstum der Kreditvergabe um mindestens 20% jährlich stand in den letzten Jahren lediglich eine halb so große nominale Steigerung der Wirtschaftsleistung gegenüber. Die expansive Geldpolitik der chinesischen Zentralbank als Reaktion auf die Finanzkrise (seit 2009) führte zu einer Systemliquidität auf einem unvernünftigen Niveau. Dadurch wurde das vorher schon vorhandene Ungleichgewicht zwischen Kreditvergabe und Wirtschaftsleistung noch weiter verstärkt.
Um die Banken nun zu effektiverer Steuerung ihrer Liquiditätsrisiken zu veranlassen, sorgt die Zentralbank mit der neuen Strategie des „Geld Zusammenhaltens“ für eine deutliche Verknappung der Liquidität. Zusätzlich ließ die Regierung seit Anfang des Jahres eine Aufwertung des Renminbi um 5% gegenüber den  anderen gehandelten Devisen zu.
Mit diesen Maßnahmen können sowohl die äußerst spekulativen Immobiliengeschäfte als auch weitere Bereiche des grauen Kapitalmarktes/Schattenbankensystems minimiert werden. 
Natürlich muss dafür im Gegenzug für einen gewissen Zeitraum mit einem Abschwung der Kreditvergabe seitens der chinesischen Banken und in Folge dessen mit einer weiteren konjunkturellen Abkühlung gerechnet werden. Kurzfristig wird sich dieses auch weiterhin negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken. Mittelfristig wird jedoch eine abschwellende chinesische Finanzblase für eine größere Sicherheit sorgen und weitere positive Synergieeffekte nach sich ziehen.  Ich komme daher zu dem Fazit, dass der Finanzmarkt eher gestärkt, als geschwächt aus diesen Maßnahmen hervorgehen wird.

Jens Behling