Baustopp, Materialüberfluss und Reaktionen

„Man müsse gegen die Korruption ankämpfen und öffentliche Ausgaben auf die Entwicklung der Wirtschaft und das Wohlergehen der Bevölkerung beschränken“. Durch diese Aussage des chinesischen Präsidenten Xi Jinping bedingt, verkündeten das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und der regierende Staatsrat letzte Woche einen Baustopp für neue Amtsgebäude sowie jegliche neue öffentliche Prachtbauten über die nächsten fünf Jahre. Der Baustopp wurde als Reaktion auf die Veröffentlichungen von Nachrichten über Korruption sowie der Nutzung von Katastrophenschutzgeldern für den Bau kostspieliger öffentlicher Gebäude verhängt und soll weitere Proteste und Unruhen verhindern. Auch teure und unnötige Renovierungen wurden verboten. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften führt zu hohen Strafen.
Neben einer sinnvolleren Verteilung der Gelder führt der verhängte Baustopp jedoch auch dazu, dass der in China schon vorhandene Überfluss an produzierten Baustoff weiterhin zunimmt. So lagerten schon bis Juni 2012 allein in den 26 Haupthandelsplätzen Chinas mehr als 15,6 Mio. Tonnen Stahl. Im Vergleich dazu wurden im Zeitraum Januar bis Juni 2012 10,6 Mio. Tonnen Stahl in China und Taiwan produziert. Das steigende Angebot könnte die Nachfrage zusätzlich schwächen und die Preise weiter sinken lassen. Um der Überkapazität entgegen zu wirken, beschloss die Regierung Umstrukturierungen und Unternehmensfusionen durchzuführen. Sie ist bereit, eine durch die Veränderungen kurzzeitige Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums zu Gunsten einer langzeitigen Verbesserung der Wirtschaft in Kauf zu nehmen. Darüber hinaus plant China überschüssige Baumaterialien wie z.B. Zement oder Stahl für den Ausbau des inländischen Schienennetzes einzusetzen und hat diesbezüglich der Eisenbahnbehörde entsprechende Pläne vorgelegt. Der bisherige Ausbau des Schienennetzes ging langsamer voran als geplant, da erst ein Drittel der geplanten Investitionen im ersten Halbjahr umgesetzt wurden.
Die Berichte sorgten für einen Auftrieb auf dem chinesischen Aktienmarkt. Insbesondere die Hang-Seng-Werte der Eisenbahnunternehmen wie z.B. China Railway (+7%), und der China Railway Construction (+8%) sind gestiegen. Es war für Hongkong das stärkste Plus seit fast sieben Monaten.

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